Leben mit der Sucht

drObs 09/2026

Tausende Menschen geraten jedes Jahr in den Strudel einer Abhängigkeit. In unserer brandneuen September-Ausgabe sind wir in Zusammenarbeit mit dem Leipziger Straßenmagazin Kippe der Frage nachgegangen, wie sich Süchte auf das Leben direkt und indirekt Betroffener auswirken und welche Rolle gesellschaftliche und politische Faktoren dabei spielen. Suchterkrankungen – insbesondere stoffgebundene solche – gelten als einer der Hauptauslöser von Wohnungslosigkeit, gleichzeitig sind sie ein Haupthemmnis, wenn es darum geht, sie wieder zu beenden.

Doch gerade Konsumierende ohne Clean-Status sind – wie unsere Titelgeschichte zeigt – in der Wohnungsnotfallhilfe stark benachteiligt, weil sozialtherapeutisch betreute Wohnformen fehlen, die akzeptenzbasiert arbeiten und deren Ziel vorrangig nicht Abstinenz, sondern Stabilisierung und gesundheitliche Schadenminimierung ist. Die Folgen zeigen sich z. B. im Übernachtungshaus „Alternative III“ der Leipziger Drogenhilfe. Eigentlich für den Übergang ausgelegt, werden konsumierende Suchtkranke hier ungewollt zu Dauergästen. Was das für die Betroffenen selbst bedeutet, hat uns Marco aus Sachsen-Anhalt erzählt, der als „Junkie“ erst in Bremen wirkliche Hilfe bekam, inzwischen substituiert, stabil und wieder in einer eigenen Wohnung lebt, arbeitet und erstmals in seinem Leben glaubt, irgendwann tatsächlich clean werden zu können.

Doch nicht immer geht es beim Thema Sucht um harte, illegale Drogen oder Alkohol. Oft liegen suchtauslösende Stoffe und Dinge viel näher und werden dadurch oft unterschätzt. Vom Zucker in unseren Lebens- und Genussmitteln, dessen Folgeerkrankungen uns jährlich Milliarden kosten, bis hin zu digitalen Welten, in denen sich immer mehr Menschen verlieren, bis das Leben aus den Fugen gerät – die Folgen für Betroffene und auch für die Menschen in ihrem Umfeld ähneln sich oft.