Der große Rausch

drObs 11/2025

Unsere November-Ausgabe ist erschienen und steht ganz im Zeichen des Themas Drogen und Konsum. Den meisten fallen dabei gewiss zuerst die ganze „harten“ Sachen ein: Heroin, Chrystal, Crack & Co. Ganz zuletzt wird beim Thema Drogen und Konsum zumeist an Alkohol gedacht. Das liegt auch daran, dass Alkohol nach wie vor gesellschaftlich als „Entspannungsdroge“ anerkannt und damit nach Ansicht insbesondere von Medizinerinnen auch verharmlost wird. Wir folgen in unserer Titelgeschichte dem Weg des Alkohols durch die Gesellschaft – von der Herstellung bis hin zum Konsumenten. Und dabei wird deutlich: Es ist ein Weg von oben nach unten. Während die Alkoholindustrie mit seiner Herstellung jährlich Milliarden verdient und Alkohol als Kulturgut und Genussmittel preist, in wohlhabenden und mittleren Einkommensklassen auch tatsächlich vorrangig genossen wird, sind es vor allem arme Menschen, die überdurchschnittlich oft ein hochproblematisches Trinkverhalten oder gar eine Abhängigkeit entwickeln. Zwei Millionen Menschen gelten in Deutschland als abhängig – bis zu 80 Prozent davon gelten gleichzeitig als arm oder von Armut bedroht. Und gleichzeitig sind sie es auch, mit denen die Alkoholindustrie den Großteil ihrer Umsätze erwirtschaftet. Welch zerstörerische Kraft der Alkohol im Leben eines Menschen zu entfalten vermag, erfahrt ihr von Thilo, der seit 23 Jahren trocken ist.

Wir haben außerdem eine erste vorsichtige Bilanz nach anderthalb Jahren Cannabis-Teillegalisierung gezogen. Mehr als 20 sogenannte legale Anbauvereinigungen gibt es inzwischen in Sachsen – wir haben eine davon in Dresden besucht.

Und wir haben eine junge Frau getroffen, die sagt: Drogenkonsum ist Privatsache. Anna von der Dresdner Zweigstelle des Bundesverbandes der Junkies, Ehemaligen und Substituierten (JES) e. V. fordert die Legalisierung aller Drogen und setzt sich für eine akzeptanzbasierte Drogensozialarbeit ein, die den Clean-Status nicht zur Voraussetzung für den Eintritt ins Hilfssystem macht.